2003 – April 2004 bringt der Verlag nicht weniger als 10 Bücher von mir heraus, die jetzt ganz Jens’ und meiner Verantwortung unterliegen und aufgrund unserer gegenseitigen Ergänzung (er als puristischer Ästhet, ich als zur Verschnörkelung neigendes Spielkind) zu sehr schönen Editionen werden.
Die aufreibende Arbeit an der Auswahl, Illustrierung und Editierung all jener Texte, die der Veröffentlichung wert sind, lassen die Auftrittsanzahl gegen Ende 2003 stark zurückgehen.
Mai 2004 ist die Editierung abgeschlossen und der Nahtegal-Zyklus vollendet. Nach anderthalb Jahren Licht am Horizont. Aber die Bedingungen haben sich verändert: Meine Entscheidung zum Beruf ist eindeutig und kompromißlos, und für die Laienschauspieler des Ensembles sind entsprechend häufige Auftritte nicht möglich.
Nach mehreren Experimenten mit verschiedenen Möglichkeiten zeigt sich, daß die einzig annehmbare Entscheidung die ist, allein weiter zu machen, um Freundschaften nicht zu gefährden und die notwendige Konsequenzen in diesem Beruf zu tragen.
Das diesjährige Wave-Gotik-Treffen wird zum Finale erkoren, zum krönenden Abschluß, und das Amator Veritas Theater löst sich auf, während ich mich auf die höchstmögliche Qualität derjenigen Inszenierungsmöglichkeiten konzentriere, die im Alleingang möglich sind.
Superjeile Zick. Im Mai 2002 von Vera Walterscheid, Robert Christott und mir selbst begründet, führte das Amator-Veritas-Ensemble bis zum 30.05.2004 bundesweit meine Stücke auf, seit Roberts Ausscheiden 2002 mit Martin Herweg.
Mit bis zu 60 Vorstellung pro Jahr und zwei Premieren im Monat, Aufführungen an allen denkbaren und undenkbaren Bühnen (vom Theater- über den Kinosaal bis hin zu alten Burgen und Schlössern, Cafes, Festivals, Buchhandlungen, Kneipen, Kirchen und sogar Freilichtvorstellungen auf Mittelaltermärkten und Schluchten am Arsch der Welt…) sind wir wirklich weit herum gekommen und hatten eine Menge Spaß.
Sein oder Nichtsein. Für mich ist die Schriftstellerei und damit das Auftreten mit meinen Geschichten Beruf und Lebensinhalt, ich muß (und will) damit mein Leben finanzieren. Für Vera und Martin ein schönes Hobby. Vera steht vor dem Dilplom, Martin vorm Magister. Viele Auftritte mußten aus Zeitmangel abgelehnt und Bühnen (CVJM Siegburg, z.B.) komplett abgesägt werden.
Der Zeitpunkt, an dem ich allein auf der Bühne stehen mußte, weil ich von keinem Nicht-Vollblut-Schauspieler einen solchen Arbeits- und Zeitaufwand verlangen kann, wurde unausweichlich (Der freundschaftsstrapazierende Streß ist ein weiterer Punkt).
Furioses Finale. Also ein krönender Abschluß, wann besser als bei unserer mittlerweile festen Teilnahme am weltgrößten schwarzen Festival? Drei Vorstellungen unserer drei Inszenierungsweisen: Szenische Lesung und Märchenlesung im “Galerie und Atelier Liebold”, mit dem Bruderkonflikt-Stück “Pluto und Hyronimus” für mein Brüderle mit anschließender Lesung aus “Krähe und Nachtigall”; ein Echtzeit-Hörspiel in CineStar-Filmpalast Leipzig mit den “Dichter-Dämonen”, und, als Abschluß-Abschluß fünf kurze Schauspiele mit “Absurdistan” vor der Kinoleinand des CineStar. Und dann Gelage, bis die Vögel zwitschern auf dem Heidnischen Dorf mit Hanfmet aus Kuhhörnern und Dudelsack-Musik.
The show must go on! In Zukunft stehe ich also allein oder mit Kollegen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Schauspiel, abgesehen von ein paar Solo-Stücken, ist nicht mehr, Szenische Lesung auch nicht. Dafür konzentriere ich mich jetzt auf das Freie Erzählen, Lesungen mit sehr viel Aktion (Musik, frei gespielte Stücke…) und Echtzeithörspiele, bei denen Ihr mitmachen könnt, und werde diese Genres entsprechend weiterentwickeln. (Und zuweilen stellt sich Spezialisierung als qualitätsfördernd heraus.)
Und vielen Dank für die Blumen! Meinen Mitschauspielern Vera und Martin auf jeden Fall ein Riesen-Dankeschön für die schöne Zeit, die wunderbaren Vorstellungen und alle Hochachtung für die glänzenden Leistungen auf der Bühne! [Norman Liebold, 12.06.2004]